Bewegung ist nicht alles: Was Ernährung mit unseren Gelenken zu tun hat

Neu bei uns: Ernährung für Muskeln & Gelenke
Bewegung und Ernährung gehören enger zusammen, als man vielleicht denkt. Deshalb schauen wir hier unter dieser Rubrik künftig auch darauf, welche Rolle Ernährung für Muskeln, Knochen, Gelenke und Regeneration spielt – wissenschaftlich fundiert, verständlich und ohne Ernährungstrends oder Wunderlösungen. Schaut öfter hier vorbei !
und heute:
Bewegung ist nicht alles: Was Ernährung mit unseren Gelenken zu tun hat
Wenn Gelenke schmerzen, denken wir zunächst an Bewegung, Belastung und vielleicht auch an Verschleiß. Und natürlich spielt Bewegung eine entscheidende Rolle für einen gesunden und belastbaren Bewegungsapparat. Doch sie ist nur ein Teil des Ganzen. Auch unsere Ernährung kann Einfluss darauf haben, wie gut Muskeln, Knochen und Gelenke funktionieren.
Unsere Gelenke sind keine isolierten Bauteile
Ein Gelenk besteht nicht nur aus Knorpel und Knochen. Muskeln, Sehnen und Bänder sorgen für Stabilität und Bewegung. Gleichzeitig laufen im Körper ständig Stoffwechsel-, Aufbau- und Reparaturprozesse ab. Dafür benötigt er Energie und verschiedene Nährstoffe.
Das macht Ernährung auch für den Bewegungsapparat interessant.
Eiweiß – Baustoff für unsere Muskulatur
Eine kräftige Muskulatur stabilisiert und entlastet unsere Gelenke. Gerade mit zunehmendem Alter wird es jedoch schwieriger, Muskelmasse zu erhalten.
Krafttraining und regelmäßige Bewegung setzen dafür wichtige Reize. Damit der Körper darauf reagieren und Muskulatur aufbauen bzw. erhalten kann, benötigt er unter anderem ausreichend Eiweiß.
Gute Eiweißquellen sind beispielsweise Fisch, Eier, Milchprodukte, Fleisch, Hülsenfrüchte, Tofu, Nüsse und Samen.
Training setzt den Reiz – Ernährung liefert einen Teil der notwendigen Baustoffe.
Körpergewicht belastet Gelenke – aber das ist nicht die ganze Geschichte
Bei Knie- und Hüftgelenken ist der Zusammenhang unmittelbar nachvollziehbar: Je höher das Körpergewicht, desto größer kann die mechanische Belastung bei jedem Schritt sein.
Heute weiß man allerdings, dass insbesondere Fettgewebe nicht einfach nur „zusätzliches Gewicht“ darstellt. Es ist stoffwechselaktiv und kann Botenstoffe freisetzen, die an Entzündungsprozessen im Körper beteiligt sind.
Deshalb wird beispielsweise Arthrose inzwischen nicht mehr ausschließlich als mechanischer „Verschleiß“ betrachtet. Auch Stoffwechsel und Entzündungsprozesse können eine Rolle spielen.
Kann man sich „entzündungshemmend“ ernähren?
Der Begriff klingt zunächst nach einem großen Versprechen. Eine einzelne entzündungshemmende Wunder-Lebensmittel gibt es allerdings nicht.
Interessanter ist das gesamte Ernährungsmuster. Besonders häufig untersucht wird die mediterran geprägte Ernährung: viel Gemüse und Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen, hochwertige Pflanzenöle wie Olivenöl sowie regelmäßig Fisch.
Gleichzeitig stehen stark verarbeitete Lebensmittel, große Mengen Zucker und eine insgesamt sehr energiereiche Ernährung eher selten auf dem Speiseplan.
Eine solche Ernährung kann eine günstige Stoffwechselsituation unterstützen. Sie ersetzt jedoch weder Bewegung noch eine notwendige medizinische oder physiotherapeutische Behandlung.
Und was ist mit Kollagen, Omega-3 & Co.?
Die Werbung verspricht inzwischen einiges für Knorpel und Gelenke: Kollagenpulver, Glucosamin, Chondroitin, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und zahlreiche andere Präparate.
Hier lohnt sich ein genauer Blick. Für manche Substanzen gibt es interessante Studien und Hinweise auf mögliche Effekte. Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch je nach Präparat sehr unterschiedlich.
„Viel hilft viel“ gilt bei Nahrungsergänzungsmitteln ohnehin nicht. Insbesondere bei Vitaminen und Mineralstoffen sollte eine Einnahme nicht einfach auf Verdacht erfolgen.
Bewegung und Ernährung gehören zusammen
Für einen belastbaren Bewegungsapparat gibt es deshalb nicht den einen entscheidenden Faktor.
Regelmäßige Bewegung, ausreichend Muskelkraft, ein angemessenes Körpergewicht und eine ausgewogene Ernährung ergänzen sich.
In der Physiotherapie können wir Bewegung gezielt dosieren, Muskulatur aufbauen, Beweglichkeit verbessern und gemeinsam daran arbeiten, den Körper wieder belastbarer zu machen.
Was wir außerhalb der Therapie tun, zählt aber ebenfalls.
Denn unser Bewegungsapparat braucht nicht nur Bewegung – sondern auch gute Voraussetzungen, um auf diese Bewegung reagieren zu können.




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